Belletristik REZENSIONEN

Der Schatz des Brahmapur

Russe
Mord auf der Leviathan
Fandorin ermittelt
Aus dem Russischen von Renate und Thomas Reschke
Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2002, 280 S.

Inzwischen ist der geniale Ermittler Fandorin im 22. Lebensjahr. Ganz schön mutig vom Autor, einen so jungen Kriminalisten auf uns Leser anzusetzen. Aber, es funktioniert; denn Fandorin ist ein durchaus ernst zu nehmender, gewandter junger Mann.

Dieser bis jetzt dritte ins Deutsche übertragene Kriminalroman von Akunin spielt, wie auch die beiden anderen Ende des 19. Jahrhunderts, dieser 1878. Da wird in einem vornehmen Pariser Wohnviertel Lord Littleby, ein Sammler orientalischer Kostbarkeiten, kaltblütig ermordet. Mit ihm sterben sieben seiner Bediensteten und zwei Kinder. Die Spur dieses Jahrhundertverbrechens führt den französischen Kommissar Gustave Coche auf das englische Luxusschiff "Leviathan". Es ist das größte Passagierschiff der Welt und auf seiner Jungfernfahrt nach Kalkutta. An seinem Schiffs-Tisch hat Coche, der "Ermittlungsbeamte in besonders wichtigen Fällen", eine Schar Verdächtiger versammelt, um sie einfacher im Auge behalten zu können. In Port Said gesellt sich ein für Coche geheimnisvoller Russe dazu. Wir ahnen schon, dass es Erast Fadorin ist. Von Kommissar Coche ebenfalls verdächtigt, mischt sich Fandorin mehr und mehr in die Ermittlungen ein. Ein Glück, denn von dem selbstgefälligen französischen Kommissar wäre der brisante Fall wohl nie gelöst worden.

Jedes Kapitel bei Mord auf der Leviathan ist jeweils einem Verdächtigen gewidmet, mit dem offensichtlichen Ziel, ihn (oder sie) noch verdächtiger zu machen. Fandorin, auf der "Leviathan" unterwegs nach Japan, hat als einfacher Passagier zum Ermitteln keine Handhabe. Stattdessen beobachtet er  alle und alles haarscharf, geradezu hellseherisch. Und so beweist er bei allen vom Kommissar angeblich Überführten immer wieder haarklein deren Unschuld und durchschaut,  wer tatsächlich der Mörder von Lord Littleby sowie der anderen neun Personen ist und warum dieser dem Lord eine Schiwafigur aus purem Gold gestohlen hat, die er dann für alle ganz unverständlich in die Seine warf. Fandorin kann auch erklären, warum sich die Dienerschaft des Lords ohne Widerstand ermorden ließ, und ganz nebenbei bringt er auch noch den französischen Ermittlungsführer zur Strecke, der sich den Schatz von Brahmapur unter den Nagel reißen wollte. Kurz vor seiner Pensionierung hätte dem armen Beamten dieser Schatz im Werte von dreihunderttausend seiner Jahresgehälter ganz gut zu Gesicht gestanden.

Bei der Marinina ermittelt immer Anastasija Kamenskaja, bei der Stepanowa wird immer Katja mit von der Partie sein, bei Akunin ist Fandorin der Serienheld. Prägt er sich ein? Nicht nur das, man ist sowohl gespannt auf den neuen Krimistoff, als auch auf den schon vertrauten Kriminalisten. Das ist von Akunin gut gemacht. Pfiffig ist auch, dass seine historischen Krimis in verschiedenen Ländern spielen - mit Personen verschiedener Nationalität. Dennoch sind seine Krimis auch typisch russisch, eine Mischung, wie der Verlag schreibt, aus James Bond und Dostojewskij.

Boris Akunin, der eigentlich Grigori Tschchartischwili heißt (ist Akunin Georgier?), wurde in Moskau soeben zum Schriftsteller des Jahres gekürt, seine Fandorin-Serie wird in Russland gegenwärtig verfilmt.

Gisela Reller / www.reller-rezensionen.de

 

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Am 15.02.2003 ins Netz gestellt. Letzte Bearbeitung am 16.01.2017.

Das unterschiedliche Schreiben von Eigennamen ist den unterschiedlichen Schreibweisen der Verlage geschuldet.

Willst du geben, denk erst darüber nach, wo du es hernimmst.
Sprichwort der Russen

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