Belletristik REZENSIONEN

Eine Leiche nach der anderen...

Russin
Die Stunde des Henkers
Anastasijas fünfter Fall
Aus dem Russischen von Natascha Wodin
Argon Verlag, Berlin 2001, 412. S.

Die Ermittlungsbeamtin Anastasija - Nastja, Nastenka - Kamenskaja erhält einen Spezialauftrag: Sie soll einen Mann, der nach zwei Jahren Haft aus einem Straflager entlassen wird, von Samara nach Moskau bringen - obwohl nicht wenige hochrangige Politiker und eiskalte Ganoven daran interessiert sind, ihn so schnell und so endgültig wie möglich zum Schweigen zu bringen. Mit weiblicher Raffinesse, Tiefenpsychologie, bühnenreifer Schauspielkunst und frappierendem logischem Denken gelingt es der Kamenskaja, diese heikle Angelegenheit trotz der nicht gerade zimperlichen Verfolger zu erledigen. Doch als der geheimnisvolle Pawel Sauljak, einstiger Vertrauter eines hohen Geheimdienstoffiziers, tatsächlich unbeschadet in Moskau eingetroffen ist, geht es erst richtig los. Gerade stehen die Präsidentschaftswahlen vor der Tür, und in solchen Zeiten - statt wie zu Sowjetzeiten vier bis fünf Morde im Monat kann man mit dieser Anzahl im heutigen Moskau jeden Tag aufwarten - wird laut Die Stunde des Henkers nicht politisch argumentiert und überzeugt, sondern --- aus dem Weg geräumt, was das Zeug hält. Eine Leiche nach der anderen, alles enge Mitarbeiter eines Präsidentschaftskandidaten. Einer wird samt seiner Frau, von der eigenen Tochter erschossen, einer vergiftet sich - ausgerechnet - während eines Empfangs, einer wird am helllichten Tag inmitten vieler Menschen erschossen, einer erhängt sich... Und auch die Mitstreiter Pawel Saulaks beißen so nach und nach gewaltsam ins Gras.

Ich verstehe nicht, warum uns die Autorin mehr oder weniger von Anfang an wissen lässt, dass all dies durch Hypnose krimineller Elemente geschieht. Schließlich ist dadurch ein großer Teil der Spannung futsch. Sowieso sind einem die Gekillten - Pawels Geliebte Rita vielleicht ausgenommen - nicht gerade ans Herz gewachsen.

So an die zehn Leichen, dachte sich wohl die berühmte Autorin, ergeben noch keinen spannenden Kriminalroman nach neurussischem Geschmack. Und so ließ sie sich während ihres hurtigen Schreibens flugs noch etwas einfallen: einen Henker, einen, der im Alleingang Serienmörder mordet.  Warum? Wenn sie begreifen würde, warum der Henker seine Opfer praktisch alle gleichzeitig umbringt, sinniert die allseitig geschätzte Ermittlungsbeamtin der Miliz, dann würde sie ihn finden. Ich habe ihn immerhin auf Seite 334 gefunden, die kluge Ermittlerin Kamenskaja erst auf Seite 356, trotz ihrer "Logik, der kaum einer gewachsen ist"...

Gisela Reller / www.reller-rezensionen.de

 

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Am 18.01.2002 ins Netz gestellt. Letzte Bearbeitung am 05.01.2017.

Das unterschiedliche Schreiben von Eigennamen ist den unterschiedlichen Schreibweisen der Verlage geschuldet.

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Sprichwort der Russen

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