Belletristik REZENSIONEN

Detektivin im Nonnenhabit

Russe
Pelagia und der rote Hahn
Aus dem Russischen von Olga Kouvchinnikova und Ingolf Hoppmann
Wilhelm Goldmann Verlag, München 2004, 543 S.
 
Dies ist der letzte Band von Akunins Pelagia-Trilogie ("Pelagia und die weißen Hunde", "Pelagia und der schwarze Mönch"). In Vorbereitung ist das Goldmann Taschenbuch "Die Bibliothek des Zaren" mit Nicholas Fandorin als neuem Ermittler, dem Enkel von Erast Fondorin. Damit ist es dann vorbei mit Akunins historischen Krimis, dann geht es mitten hinein ins Russland von heute.

Pelagia ist eine Nonne, eine Braut Christi und die geistliche Tochter von Bischof Mitrofani. Statt in der Klosterschule, der sie als Leiterin vorsteht, auf ihre Schülerinnen aufzupassen und Ihnen Wissen (besonders auf dem Gebiet der Hauswirtschaft) beizubringen, steckt sie ihren roten Haarschopf mit dem kecken Näschen immer mal wieder in blutige Kriminalfälle. Diesmal will sie den (angeblichen?) Mord an dem Propheten Manuila aufklären und reist bis nach Jerusalem.

Wir wissen schon, dass Boris Akunin ein gescheiter Mann ist. Hat er uns gerade (im "Schwarzen Mönch") ein Psychoseminar geboten, so teilt er uns diesmal alles mit, was er über die Juden und das Judentum recherchiert hat. Und er hat viel recherchiert, soviel, dass er uns oft vergessen lässt, dass wir es mit einem Krimi zu tun haben. Wenn er uns dann aber daran erinnert, dann unbedingt auf grausame Art, z. B. als der kleinen pummligen Jüdin mit einem Ast ein Auge ausgestochen wird, bevor sie sich selbst tötet.

In irgendeinem Interview sagte Akunin, er könne daran, wie einem Leser welche seiner drei Serien gefalle oder nicht gefalle, erkennen, was für ein Mensch derjenige sei. Nun, mir gefiel seine Erast-Fandorin-Serie gut, weniger gut die Pelagia-Trologie und fast gar nicht der Rote-Hahn-Band. Das ist kein Krimi, sondern ein durch Grausamkeiten unterbrochener "Lehrstoff" über die Geschichte der Juden. Mit den Juden nicht genug, erfahren wir auch noch in aller Breite, was es in diesem Zusammenhang mit den Beduinen, Tscherkessen1 und Arabern auf sich hat. Manchmal verliert man vor lauter Bildung mal den Untersuchungsführer Dolinin, mal den Staatsanwalt/Staatsrat Berditschewski, mal den richtigen, mal den falschen Propheten, mal den auf die Nonne angesetzten Killer und mal gar die Nonne selbst aus den Augen vor lauter Gelehrsamkeit des Autors.

Akunin meinte in einem Gespräch mit der Presse, man solle die Pelagia-Bände ruhig angehen und zwischendurch mal einen Tee trinken. Nun denn: Abwarten und Tee trinken und sehen, was seine dritte Kriminalroman-Serie mit Nicholas Fandorin hergibt. Vielleicht hat sich Boris Akunin ja ganz einfach ausgeschrieben. Dann könnte er endlich seine heiß gewünschte Kreuzfahrt um die Welt unternehmen, Geld genug müsste er (bei fast fünfzehn Büchern) inzwischen auf die hohe Kante gelegt haben...

Gisela Reller / www.reller-rezensionen.de

 

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Am 13.09.2005 ins Netz gestellt. Letzte Bearbeitung am 16.01.2017.

Das unterschiedliche Schreiben von Eigennamen ist den unterschiedlichen Schreibweisen der Verlage geschuldet.

Mir gackert sie, dem anderen bringt sie die Eier.
Sprichwort der Russen

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