Belletristik REZENSIONEN

Erbschaft in Bulgarien

Russin
Ein Haus am Meer
Aus dem Russischen von Sabine Grebing
Diogenes Verlag, Zürich 2004, 231S.

Iwajlos Schädel wird in eine blutige Masse verwandelt, der Bürgermeister der bulgarischen Kurorte Sankt Konstantin und Elena liegt mit blutüberströmtem Gesicht am Strand - mafiose Taucher haben dieses Blutbad angerichtet, unbemerkt von den Leibwächtern, die nur noch erstarrt dastehen können...

Im ersten deutsch erschienenen Thriller der russischen Autorin Dankowtsewa "So helle Augen" ist die "realistische Psychotherapeutin" Xenia das Opfer und steht im Mittelpunkt des äußerst spannenden Geschehens. Gedacht sei dieses Buch, so informiert der Verlag, als Zyklus von drei Bänden, in dem jeweils eine andere Frau des Freundinnen-Trios - Xenia,  Marina und Vera - im Vordergrund der reißerischen Handlung stehen wird. War in ihrem ersten Buch Xenia die Hauptheldin, so ist es in ihrem zweiten Buch die Schriftstellerin Marina, die alle Geschehnisse im geerbten Haus am Meer in ihrem Tagebuch festhält. (Im Text der Schutzumschlagklappe ist Marina - Schlamperei des Verlages? - Übersetzerin und Vera avanciert zur Geschäftsfrau, obwohl sie laut Buch "bloß eine Verkäuferin" ist.)

Wie nun verschlägt es die drei russischen Frauen mit ihren insgesamt drei Kindern - Anja, Sascha und Nikita - und dem Hund Afa nach Bulgarien? Marina hat geerbt: Ein Haus am Meer, am Schwarzen Meer. Die Erbschaft kommt von ihrem bulgarischen Erzeuger Konstantin Brynnikow, den sie kaum gekannt hat. Die beiden Freundinnen Xenia und Vera beschließen, zusammen mit ihrer Freundin Marina nach Bulgarien zu reisen und dort den Urlaub  am  Meer zu  verbringen. Schon in der Schule hatten sich die Lehrer gewundert, was die drei so ungleichen  Mädchen miteinander verband:     " (...) der Wirbelwind Vera, an Schule hoffnungslos desinteressiert (und von der siebten Klasse an stets geschminkt wie ein Indianer auf dem Kriegspfad), die verschlossene, träumerische Marina (die ihre Lehrer mit ihrer Unbeständigkeit zur Verzweiflung brachte (...) und die hochmütige Einserschülerin [Xenia], die alles auf der Welt gnadenlos analysierte."

Das geerbte Haus am Meer entpuppt sich als Ruine mit schönem Ausblick. Unbegreiflicherweise wird der Erbin vor Ort für diese Bruchbude und für das Grundstück (von den blutrünstigen Mafiosis, die in Bulgarien Mafioten heißen) eine ungeheure Summe geboten, wenn sie verkauft. Befindet sich hier etwa ein Schatz? Und was für einer! Natürlich haben auch im weiteren Verlauf der Handlung Mafiosis ihre Hände im Spiel. Und der verrückte Archäologe Danail, der so verrückt gar nicht ist; eine der drei Frauen wird sogar glücklich mit ihm. Aber das ist erst viel später, denn erst einmal wird gekämpft mit allen Mitteln, um des Hauses habhaft zu werden. Es wird geschossen, gebrandschatzt, versucht zu morden... Die ganze Schatzsuche erinnert an das Jugendbuch der Anna Dankowtsewa "Die Stadt mit dem blauen Tor". Überhaupt könnte dieser zweite Krimi (vielleicht bis auf die blutige Anfangsszene) auch für Jugendliche geschrieben sein. Mir scheint, die Dankowtsewa - die für Kinder, Jugendliche und Erwachsene schreibt - hat sich hier im Stil vertan. Auch erreicht sie nicht annähernd die Spannung wie in ihrem ersten Buch. Und ein Thriller ist es auch nicht gerade geworden. Oder ist man als Leserin und Rezensentin vieler Krimis schon so richtig abgebrüht?

Trotzdem bin ich neugierig, was im dritten Buch dem "Wirbelwind" Vera widerfahren wird, die sich des Öfteren mal - ruckzuck - in einen Mann verliebt; diesmal in den bulgarischen Anwalt Georgi, von ihr als "Gosha" umschmeichelt.

Gisela Reller / www.reller-rezensionen.de
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Am 03.02.2005 ins Netz gestellt. Letzte Bearbeitung am  20.01.2017.

Das unterschiedliche Schreiben von Eigennamen ist den unterschiedlichen Schreibweisen der Verlage geschuldet.

Geld hat kein Gewissen.
Sprichwort der Russen

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