Reiseliteratur-Bildbände REZENSIONEN

Autorin, bleib bei deinen Leisten...

Über Russland
Eindrücke
Russischer Alltag in Bildern
Löcker Verlag, Wien 1999, 158 S.

Claudia Erdheim, 1945 in Wien geboren, studierte Philosophie und Logik, sie ist Lektorin an der Universität Wien. Im Löcker Verlag hat sie fünf Romane und zwei Erzählbände veröffentlicht. Da mochte man der erfolgreichen Autorin wohl nicht abschlagen, ein Buch mit ihren (Farb-)Fotos herauszugeben, die sie während ihres Russlandaufenthaltes von Frühjahr 1996 bis Herbst 1998 geschossen hat. Sie schreibt, dass sie zunächst mehr oder weniger ziellos allerlei Kurioses fotografiert habe: Schwarzmärkte, Kioske*, Wohnungen und Feste. Und da ihre Fotos "allgemein so gut gefielen" (wem?), habe sie beschlossen, ein Buch mit Schnappschüssen herauszugeben. Sie alle seien auf billigen "BIPA 100"-Filmen mit einer kleinen Olympuskamera, später mit einer ebenso kleinen Pentax aufgenommen worden, "da sie weder professionellen noch künstlerischen Ansprüchen gerecht werden sollen". Das schlägt ja dem Fass den Boden aus! Wenn Fotos weder professionellen noch künstlerischen Ansprüchen genügen, dann sollte man sie in der Küche oder auf dem Sofa sitzend Tante Luise und Onkel Willy zeigen, denen sie - professionell und künstlerisch unbedarft - auch gut gefallen dürfen. Ich will Frau Erdheim (die auch für die dilettantische Typographie und das nicht weniger laienhafte Layout verantwortlich zeichnet) gewiss nicht zu nahe treten, denn sicherlich weiß sie nicht, wie viel beeindruckende Bildbände über Russland auf dem deutschsprachigen Markt sind. (Claudia Erdheims Buch mit den unprofessionellen Fotos kostet immerhin professionelle 25,30 Euro.) Aber wenn sie schon selbst nicht einschätzen kann, das, was gut ist für Tante und Onkel nicht tauglich ist für ein Buch (das auch noch statt eines Titels zwei Untertitel hat...), so hätten das doch der Löcker Verlag und die Kultursektion im Bundeskanzleramt sowie die Kulturabteilung der Stadt Wien wissen müssen, mit deren Unterstützung das Buch gedruckt wurde.

Gisela Reller / www.reller-rezensionen.de

 * Apropos Kioske... Seit dem 1. April 2007 gilt auf Russlands Märkten die Verordnung Nr. 683 vom 15. November 2006. Sie verbietet Ausländern, auf russischen Märkten als Verkäufer tätig zu sein. Ausländer, die ehemals Freunde waren... Die Aserbaidshaner sind weg, und mit ihnen der Stör aus dem Kaspischen Meer und die Flusskrebse aus der Türkei. Keine Aserbaidshaner mehr aus dem Kaukasus, keine Georgier und Armenier, keine Usbeken, Tadshiken und Kasachen aus Mittelasien. Einer Umfrage nach befürwortet die Mehrheit der Russen das neue Gesetz. Nun sollen Russen die verwaisten Stände übernehmen - so will man Arbeitsplätze schaffen. Doch Umfragen belegen, dass jene Mehrheit der Russen, die das Gesetz begrüßt, keineswegs bereit ist, die ausländischen Arbeitskräfte zu ersetzen. Die Entlohnung ist zu gering. Sollen künftig nur noch Russen als Verkäufer arbeiten, werden höhere Löhne sich auf die Preise auswirken.

 

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Am 15.02.2003 ins Netz gestellt. Letzte Bearbeitung am 15.01.2017.

Das unterschiedliche Schreiben von Eigennamen ist den unterschiedlichen Schreibweisen der Verlage geschuldet.

Einem guten Menschen geht auch fremde Krankheit ans Herz.
Sprichwort der Russen

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