Belletristik REZENSIONEN

Ferne macht nicht immer glücklich...

Baltendeutscher
Eine Handbreit über den Wogen
Baltische Geschichten
ALKYON VERLAG, Weissach i. T. 1999, 116 S.

Der Autor, 1926 in Lettlands Hauptstadt Riga geboren, ist Baltendeutscher. Die Baltischen Geschichten dieses Buches sind eigentlich lettische Geschichten, alles irgendwie Erinnerungen des Autors an die Heimat, die er 1939 verlor, als er im Zuge der Umsiedlung der Baltendeutschen "heim ins Reich" geholt wurde. Die zwölf Geschichten spielen im 19. Jahrhundert ("Großväter"), vor dem ersten Weltkrieg ("Schnee"), im Winter 1918/19 während der Herrschaft der Bolschewiki ("Herren"), Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts "(Von der Armut" / "Sitzen" / "Traumstadt"), in den dreißiger Jahren, als schon die Hitler-Ideologie einsickerte ("Volksfest" / "Burkes"), von November 1938 bis November 1939 ("Ein kleines todesgezeichnetes Land"), nach dem zweiten Weltkrieg ("Das Osterei der Großen Katharina" / "Sieben Briefe über die Heimat") und nach der Wende in den neunziger Jahren ("Der weiße Prinz"). Die Geschichten sind teils aus der erinnernden Kindheitsperspektive geschrieben, teils mit dem geschärften Blick des Erwachsenen. Obwohl Walter Neumann erst dreizehn Jahre alt war, als er die Heimat verlor, erlebte er, "dass Ferne nur glücklich macht, wenn der Weg nach Hause offen steht". Nach einem Besuch im Lettland nach der Wende, weiß er: "Gefährlich ist es, eine Heimat zu suchen, die verloren ging."

Statt der Fotos von Sehenswürdigkeiten in Riga, die in keinem Zusammenhang mit dem Text stehen, wären Landschaftsaufnahmen passender gewesen, denn die Naturschilderungen des Autors sind sehr bewegend, wirken sympathisch-sehnsuchtsvoll. Die "Übersichtskarte der Baltischen Staaten" ist denn aber doch zu primitiv. Nicht einmal die drei Hauptstädte der baltischen Länder sind durchgängig angegeben, und die RUSSISCHE ENKLAVE hat einen Namen, nämlich Kaliningrad.

Gisela Reller / www.reller-rezensionen.de

 

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Am 18.01.2002 ins Netz gestellt. Letzte Bearbeitung am 08.01.2017.

Das unterschiedliche Schreiben von Eigennamen ist den unterschiedlichen Schreibweisen der Verlage geschuldet.

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Sprichwort der Baltendeutschen

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